Sonderausstellungen

- Kunst und Genuss - Sonderausstellung -

WER WAR JACOBUS VREL?

Alte Pinakothek 
ab 2021

Auf den Spuren eines rätselhaften Malers

Eigentümlich wirken seine Bilder, verschroben seine Figuren und bühnenhaft seine Straßenszenen. Häufig wurden die Werke von Jacobus Vrel mit denen des berühmten Malers Johannes Vermeer verwechselt. Seine Straßenszenen und Interieurs zählen zum Bestand der weltweit bekanntesten Museen und sind zugleich begehrte Raritäten unter Sammlern. Aber bis heute ist Jacobus Vrel nahezu unbekannt – trotz umfänglicher Archivrecherchen seit seiner Entdeckung im 19. Jahrhundert gelang es bislang nicht, Angaben zu seiner Person oder Wirkungsstätte zu finden.

Jacobus Vrels Werke geben vermeintlich das Alltagsleben holländischer Kleinstädte des 17. Jahrhunderts wieder und erschaffen zugleich rätselhafte Welten. Es fehlt in ihnen gänzlich die Ansprache an die Betrachtenden. Die Figuren wenden sich von uns ab, zeigen nur ihren Rücken oder wirken in sich gekehrt. Die Darstellungen vermitteln eine teils gar bedrückende Stille. Nicht ohne Grund wurden wiederholt enge Bezüge zu dem bekannten Dänen Vilhelm Hammershøi (1864–1916) hergestellt, dessen atmosphärische Kompositionen jedoch erst zwei Jahrhunderte später entstanden.

Ungewöhnlich sind auch Vrels Straßenszenen. Die räumliche Anordnung der gezeigten Gebäude erinnert an Film- oder Theaterkulissen. Vergleichsbeispiele aus der Zeit des Malers zu finden, ist schwierig. Weder gibt es plausible Vorbilder, noch lassen sich deutliche Gemeinsamkeiten mit Werken bekannter Künstlerkollegen ausmachen. Die stets hochformatigen Kompositionen zeigen eng aneinandergereihte, mehrstöckige und zugleich schmale Häuser aus Ziegelstein mit zumeist spitzen Giebeldächern. Nur wenige Figuren bevölkern die schmalen, mit Fundsteinen gepflasterten Gassen. Sind es tatsächlich existierende Orte, die Vrel wiedergibt, oder entstammen sie der Fantasie des Malers ohne Bezug zu seiner näheren Umgebung?

Gemeinsam mit der Fondation Custodia in Paris und dem Mauritshuis in Den Haag realisiert die Alte Pinakothek in München nun die erste monografische Ausstellung zu dem rätselhaften Maler Jacobus Vrel und nähert sich darin mit 35 Gemälden Vrels diesem Vorboten der Moderne, der sein Geheimnis erst auf den zweiten Blick offenbart. Die neuen Ergebnisse des internationalen Projekts räumen mit dem Vorurteil eines „Vermeer du Pauvre“ auf und zeigen, dass Vrel vielmehr als Vorläufer von Pieter de Hooch und Vermeer anzusehen ist und nicht als deren Nachfolger.

Aufsehenerregend ist in der Alten Pinakothek die Gegenüberstellung der rund 50 Gemälde und Papierarbeiten Vrels und verwandter holländischer Barockmaler mit Werken aktueller zeitgenössischer Kunst (Mathilde ter Heijne) und eigens für die Ausstellung produzierten künstlerischen Filmen, entstanden in Kooperation mit der Akademie der Bildenden Künste (Julian Rosefeldt), der Hochschule für Fernsehen und Film München (Daniel Lang) sowie der Technischen Universität, mit Architekturmodellen des Lehrstuhls für Entwerfen und Gestaltung. Die größtenteils eigens für die Ausstellung produzierten Positionen der noch lebenden Künstlerinnen und Künstler nehmen dabei inhaltlich wie ästhetisch unmittelbar auf die ausgestellten Gemälde des Alten Meisters Bezug. Auf diese Weise soll insbesondere jungen Ausstellungsbesucherinnen und -besuchern ein anderer Zugang zu den geheimnisvollen Werken des kaum bekannten Barockmalers ermöglicht werden.

#PinaVrel

 

VON GOYA BIS MANET – DAS 19. JAHRHUNDERT IN DER ALTEN PINAKOTHEK

Alte Pinakothek

Unter dem Titel „Von Goya bis Manet. Das 19. Jahrhundert“ umreißen rund 90 Gemälde und Skulpturen das Spektrum vom ausgehenden 18. bis zum beginnenden 20. Jahrhundert. Mit dem temporären Umzug der Meisterwerke aus der Neuen Pinakothek in die Alte Pinakothek bietet sich die einmalige Gelegenheit, die berühmtesten Gemälde dieser beiden Häuser vereint unter einem Dach zu erleben.

Das Gebäude der Neuen Pinakothek muss nach vier Jahrzehnten Museums- und Ausstellungsbetrieb grundlegend technisch saniert werden. Das Museum ist deshalb für mehrere Jahre geschlossen. Während dieser Zeit sind ausgewählte Hauptwerke der Malerei und Skulptur des 19. Jahrhunderts in der Alten Pinakothek und in der Sammlung Schack ausgestellt. Die Auswahl spannt den Bogen vom Klassizismus und der Romantik bis zur beginnenden Moderne.

In der Unteren Galerie der Alten Pinakothek ist in drei Sälen und sieben Kabinetten eine Auswahl von rund 90 Gemälden und Skulpturen ausgestellt. Die Konzentration ermöglicht neue Konstellationen und unerwartete Begegnungen. Im großen Mittelsaal treffen Menschenbilder aus der Zeit des Klassizismus bis zur anbrechenden Moderne aufeinander. Den scharf beobachteten Porträts Goyas und der naturnahen Inszenierung der englischen Upper Class bei Thomas Gainsborough stehen die kühle Distanz von Edouard Manets „Le Déjeuner“ sowie die Darstellung einfacher Menschen bei Edgar Degas gegenüber. Der monumentale Klassizismus Antonio Canovas kommuniziert mit dem verträumten Symbolismus Georges Minnes im angrenzenden Kabinett, während im anschließenden Saal die Werke van Goghs, Klimts, Segantinis u. a. den radikalen Bruch mit tradierten Sehgewohnheiten markieren.

Im Saal der deutschen Romantiker treffen die retrospektive Malerei der Nazarener in Rom auf die Innenschau Caspar David Friedrichs in Dresden und den mit malerischer Bravour vorgetragenen Realismus Carl Blechens in Berlin. Im Kabinett der französischen und englischen Romantiker und frühen Realisten begegnen sich die literarische Romantik Eugène Delacroix‘ und die empirische Naturerkundung bei William Turner und John Constable. Die weiteren Kabinette fokussieren Tendenzen der Kunst der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wilhelm Leibl und sein Kreis folgen den Spuren Gustave Courbets und der Schule von Barbizon, während Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt die Aufbruchstimmung der Moderne in Berlin um 1900 repräsentieren.

Informationen zu den Öffnungzeiten und zum Eintritt in der Alten Pinakothek

#NeueNeuePinakothek